Als Brasilien um die WM zitterte…
von Carsten GermannDas war’s! Ein Das 1:0 (0:0) gegen Kolumbien in der Nacht zum Freitaghab in der Südamerika-Gruppe der WM-Qualifikation Fakten geschaffen.Rekord-Weltmeister Brasilien beseitigte letzte Zweifel an der WM-Teilnahme 2022in Katar.
Die „Selecao“ sicherte sichdurch einen Treffer von Lucas Paqueta mit 18 Zählern Vorsprung vor demTabellensiebten Uruguay vorzeitig das WM-Ticket – und das vor dem „Superclasico“in Argentinien am kommenden Mittwoch.
Brasilien spielte einesouveräne WM-Qualifikation – elf Siege und nur ein Remis aus zwölf Partien.Superstar Neymar (29) ist mit sieben Toren aus zehn Einsätzen bester Torjägerder Südamerika-Gruppe hinter Boliviens Marcelo Moreno (acht Treffer). DassBrasiliens WM-Teilnahme ein Selbstläufer ist, ist die Regel.
Die Ausnahme waren jedoch dieQuali-Kampagnen, in denen der fünfmalige Weltmeister bis zum Schluss zitternmusste. Aber: Es gab sie.
WM 2002: Verblüffende Parallele zwischen Deutschland und Brasilien
2002 holte die brasilianischeNationalmannschaft mit Stars wie Ronaldo, Rivaldo, Cafu oder Lucio in Japangegen die DFB-Elf ihren letzten Titel. Der Weg ins Finale von Yokohama war jedochsteiniger, als es selbst der unbedarfteste Brasilianer vermutet hätte. 2000/2001spielte die „Selecao“ – ebenso wie die deutsche Fußball-Nationalmannschaft –keine gute WM-Qualifikation. England schickte die Mannschaft von Teamchef RudiVöller erstmals in der DFB-Geschichte in die Playoffs.
Brasilien stand im Sommer2000 ebenfalls auf dem Playoff-Rang der Südamerika-Gruppe. Ein 1:2 in Paraguay sorgtefür Unruhe in dem fußballverrückten Land. Eine WM ohne Brasilien? Eigentlichundenkbar. Ein 1:1 gegen Peru im April 2001 verschärfte die Situation aber fürdas Team um Weltmeister und Kapitän Romarío. Die Brasilianer lagen nur nochdrei Punkte vor dem nicht zur WM-Teilnahme berechtigenden sechsten Platz(Uruguay). Am 1. Juli 2001 verloren sie gegen die „Celeste“ auch das direkteDuell (0:1). Ein Eigentor von Cris zum 1:2 am 6. September 2001 in Argentinienmachte die Dinge nicht besser. Punktgleich mit Uruguay musste Brasilien zitternbis zum Schluss. Erst ein 3:0 (3:0) gegen Venezuela rettete der Mannschaft desbärbeißigen Trainers Luiz Felipe Scolari die WM.
Eine ,,Endzeitschlacht monumentaler Wichtigkeit"
Noch knapper, noch legendärerwar es am 3. September 1989. „Vergesst die Hand Gottes! Die größte Fußballlügeerzählte Chiles Torhüter Roberto Rojas. Er schlitzte sich dafür sogar die Stirnauf“, schrieb 11 FREUNDE (2018) über den Skandal um die entscheidende WM-QualifikationspartieBrasilien gegen Chile in Rio de Janeiro. Chile half auf dem Weg zurWeltmeisterschaft 1990 in Italien nur ein Sieg beim Nachbarn und Erzrivalen. BrasilianischeMedien schrieben über eine „Endzeitschlacht monumentaler Wichtigkeit.“
Rojasfühlte sich berufen, sich für diese offenbar etwas Einmaliges auszudenken. Ernutzte das Zünden einer Leuchtrakete auf den Rängen, wo 180.000 Fans imMaracana nach dem Treffer von Careca zum 1:0 ausrasteten, zu einer unglaublich perfidenAktion.
1989: Ein unglaublicher Skandal hilft Brasilien
Rojas hatte eine Rasierklinge in seinem linken Torwarthandschuhversteckt. Er holte sie (scheinbar) unbemerkt raus, verletzte sich selbst imGesicht. Seine offensichtliche Verletzung – Rojas wurde vom Platz getragen –führte zum Chaos von Maracana und zum Spielabbruch. Aufgeklärt wurde der als „Bengalazo“bekannte WM-Quali-Skandal durch die Fotografen Ricardo Alfieri und PauloTeixeira. Ihre Fotos ließen erst Zweifel an Rojas‘ Version der Horror-Geschichte– und dienten dann als Beweismaterial. Die Folge: Die FIFA ermittelte. Derchilenische Keeper wurde auf Lebenszeit gesperrt, die Partie mit 2:0 fürBrasilien gewertet, das damit zur WM nach Italien fahren durfte. Chile bliebbis 1998 von WM-Turnieren ausgeschlossen.