Teamvergleich – Bayer gegen Bayern und das Vizekusen-Syndrom

von Carsten Germann15:29 Uhr | 16.10.2021
Foto: Imago

Das Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga am Sonntag lautet Bayer 04 Leverkusen gegen den FC Bayern München. Der Teamvergleich von Fussballdaten.de zeigt vor allem eines: Leverkusen konnte die Bayern in entscheidenden Spielen nur ganz selten gefährden.

Die zurückliegenden vier Vergleiche in der Bundesliga gingen ausnahmslos an den FC Bayern, wobei die letzte Partie in Leverkusen (1:2) am 19. Dezember 2020 das letzte von insgesamt 20 Spielen war, in denen sich Bayer und Bayern unter den Top drei der Liga begegneten.

Nur drei Mal gab es für Bayer 04 einen Sieg in einem Topspiel gegen die Bayern

Einen Sieg in einem Top-Drei-Duell gegen den Rekordmeister gab es für die Leverkusener nur drei Mal. Zuletzt in der Saison 1996/97. In der ersten Spielzeit unter Trainerlegende Christoph Daum begeisterte Leverkusen am 9. März 1997 durch ein fulminantes 5:2 in der BayArena. Plötzlich schaute Fußball-Deutschland auf die „Werks-Elf“. Neben dem BVB und dem „magischen Dreieck“ des VfB Stuttgart jagten gleich drei Konkurrenten die Bayern. Aber: Leverkusen verspielte am vorletzten Spieltag beim 0:4 in Köln die Chance, Deutscher Meister zu werden. Das „Vizekusen-Syndrom“ war erfunden…

„Die Sternstunde ist 24 Jahre her“, schrieb das Kicker-Sportmagazin (Donnerstag-Ausgabe) über diese Duelle, in denen es nur drei Unentschieden gab (1989/90, 2009/2010 und 2013/2014) – und meinte damit den 1. November 1986. Damals stürmte die Bayer-Elf das Münchner Olympiastadion, gewann 3:0. Bayern-Trainer Udo Lattek (1935 – 2015) anschließend im ZDF: „Das war die stärkste Mannschaft die bislang hier war, ich muss neidlos sagen, dass die bessere Mannschaft gewonnen hat.“ Bayer Leverkusen übernahm die Tabellenspitze, Meister wurden aber die Münchner. Bayer landete auf dem sechsten Platz und holte 1988 den UEFA-Cup. 1989/90 gab es noch einen Erfolg für Bayer (1:0) im Spitzenduell beim FC Bayern. Leverkusen war damit wieder Erster, doch der FC Bayern verteidigte seinen Meistertitel souverän. Für die Rheinländer blieb am Ende nur Platz fünf.

Leverkusen ist vor dem Topspiel in Topform

Zurück in die Gegenwart. Die True Form spricht für Bayer Leverkusen: Die Mannschaft von Gerardo Seoane (42) gewann die letzten fünf Pflichtspiele und erzielte dabei 14 Tore – bei nur zwei Gegentreffern. Bayern München musste vor der Länderspielpause die erste Pflichtspiel-Niederlage in dieser Saison in Personalunion mit der ersten Heim-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt (1:2) seit 21 Jahren (!) verkraften. Die „Nagelsmänner“ zeigten sich in den letzten fünf Spielen Wettbewerb übergreifend noch torhungriger als die Leverkusener: 19 Bayern-Treffer! Leverkusen gewann drei der letzten fünf Heimspiele, nur gegen Dortmund setzte es in einem spektakulären Duell ein 3:4. Die Bayern haben – inklusive des Pokalauftritts beim Bremer SV – alle fünf zurückliegenden Auswärtsspiele gewonnen.

Dieser Torjäger macht Bayer Hoffnung

Vor heimischer Kulisse ist bei Bayer Leverkusener vor allem einer in Tor-Laune: Florian Wirtz (18). Das Supertalent des deutschen Fußballs traf vier Mal in der BayArena und liegt in der Bundesliga-Scorer-Liste nur zwei Punkte hinter BVB-Tormaschine Erling Braut Haaland (21, sieben Tore und vier Vorlagen). „Beeindruckend ist daher vor allem, wie sich Wirtz in dieser Saison manifestiert“, schrieb der Brasilianer Zé Roberto, der für beide Klubs spielte, in einer Kicker-Kolumne (Donnerstag), „er hat gezeigt, dass er zu Recht zu großen Hoffnungen Anlass gibt.“Bei den Bayern ist Robert Lewandowski (33) mit elf Toren eine Liga für sich. Mit „Lewy“ kommt Bayern München auf eine Sieg-Quote von 71,4 Prozent – und 2,3 Punkte pro Spiel.

Bayer Leverkusen gegen den FC Bayern München, das könnte ein Spiel ohne langes Rumfackeln werden. Beide Teams sind Meister der Effektivität vor dem Tor. Bayer 04 benötigte im Schnitt nur 4,8 Torschüsse, um zu einem erfolgreichen Abschluss zu kommen Bayern Münchens Schnitt pro erfolgreichem Torschuss liegt bei 5,4 – damit sind beide Rivalen besser als jedes andere Bundesliga-Team. 



Mats war noch nie der Schnellste, aber dieser Sprint von Mbappé... geisteskrank!

— Max Kruse zum EM-Spiel Deutschland - Frankreich (0:1)