Labbadia gegen Ex-Club Wolfsburg vor 100. Trainer-Sieg

von Marcel Breuer | dpa11:47 Uhr | 31.10.2020
Trifft mit Hertha BSC auf seinen Ex-Club Wolfsburg: Bruno Labbadia. Foto: Peter Steffen/dpa
Foto: Peter Steffen

Um den Hals fallen werden sich Bruno Labbadia und Jörg Schmadtke sicherlich nicht - unabhängig aller Corona-Abstandsregeln. Die Wunden einer ungewöhnlichen Trennung sind noch nicht verheilt.

Dennoch versucht Labbadia vor dem ersten Wiedersehen mit seinem Ex-Club VfL Wolfsburg die Emotionen klein zu halten. «Ich bin ein Mensch, der das hinter sich lässt», beteuerte der Hertha-Trainer.

Die Dissonanzen mit dem Wolfsburger Geschäftsführer Schmadtke, die zu seinem Abschied aus Wolfsburg im Sommer 2019 führten, sollen vor dem Bundesliga-Spiel der Berliner am Sonntag (18.00 Uhr/Sky) im aus Corona-Gründen wieder fan-verwaisten Olympiastadion keine Rolle mehr spielen. Doch die meisten Fragen an Labbadia drehen sich vor der Partie nicht um seinen möglichen Einzug in den doppelten 100er-Club oder die brennenden Berliner Probleme.

Es geht vornehmlich um seine im Rückblick bizarr anmutenden 16 Monate in der VW-Stadt, in der der heute 54-Jährige aus dem Abstiegskandidaten einen Europacup-Starter formte und dennoch der Abschied der einzige gangbare Weg war. «Ich habe ja selber entschieden, dass ich gehe», sagte Labbadia. Dennoch sei es schmerzhaft gewesen, «dass ich mich von einer Mannschaft getrennt habe, die ich eineinhalb Jahre aufgebaut habe.»

Zu dieser Mannschaft hat Labbadia noch guten Kontakt, gratuliert Spielern zu Geburtstagen oder Vaterfreuden, wie er lächelnd erzählt. Und auch aus Wolfsburg kommen freundliche Töne. Trainer Oliver Glasner lobte ausdrücklich seinen Vorgänger: «Ich war mit der Mannschaft der Profiteur von der erfolgreichen Saison 2018/19. Er ist ein sehr erfolgreicher Trainer, der schon lange in der Bundesliga arbeitet», sagte der Österreicher.

Dauerbrenner Labbadia kann im Erfolgsfall seinen 100. Sieg als Bundesliga-Trainer erreichen und eine beachtliche Marke schaffen. Bislang haben nur sechs Fußball-Trainer, darunter Jupp Heynckes, Thomas Schaaf und Felix Magath, mindestens 100 Siege jeweils als Coach und als Spieler gefeiert. Labbadia könnte der Siebte sein. «Das bedeutet mir gar nichts», merkte der einstige Stürmer an.

Nach dem Fehlstart mit drei Punkten aus fünf Spielen und vier Niederlagen in Serie hofft der Coach auf ein kollektives Erfolgserlebnis. «Die Mannschaft braucht das, es würde uns allen gut tun. Das würde mir am meisten bedeuten», sagte Labbadia. Ob Hoffnungsträger Mattéo Guendouzi nach überstandener Corona-Infektion sein Hertha-Debüt feiern wird, ließ Labbadia offen.

Letztlich gleicht sein Berliner Auftrag dem aus Wolfsburger Tagen. Raus aus den Abstiegsregionen direkt Richtung Europa. Mit der Hertha steckt er noch mitten im ersten Entwicklungsschritt. Wie bei seiner Amtsübernahme im Frühjahr steht die Hertha nur knapp vor dem Relegationsplatz. Damals gelang der kurzzeitige Aufschwung. Die internationalen Ziele sind weiter ein vage Vorstellung.

In dieser Saison ist die Hertha nach den Niederlagen gegen Eintracht Frankfurt (1:3) und den VfB Stuttgart (0:2) noch ohne Punktgewinn in Heimspielen. «Man muss sagen, dass es auswärts besser funktioniert hat, das wollen wir verändern», sagte Labbadia. «Wir wollen unseren ersten Heimsieg einfahren», fügte er an.

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(dpa)



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