„Erster gegen Zweiter“ nach dem 30. Spieltag: Kaum Chancen für den BVB

von Carsten Germann18:00 Uhr | 23.04.2022
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Der Tabellenzweite Borussia Dortmund reist mit vielen Ausfällen und neun Punkten Rückstand auf den Tabellenführer FC Bayern nach München.

Die Konstellation „Erster gegen Zweiter“ nach dem 30. Spieltag ist in der Bundesliga nicht neu, aber selten versprach sie so wenig Spannung wie dieses Mal.

9 Punkte Rückstand, aw Mann!

Neben der Hypothek von neun Zählern Rückstand muss der BVB auch gegen eine andere Serie ankämpfen. Von den letzten 18 Duellen zwischen dem Spitzenreiter und dem Tabellenzweiten gewann der jeweils als Verfolger agierende Klub nur 2 Spiele – und das waren in beiden Fällen die Bayern.

Der Blick auf die Liga-Historie macht den Dortmundern auch nicht eben Mut.

So lief „Erster gegen Zweiter“ jenseits des 30. Spieltages seit 1972

Trafen sich seit 1971/72 der Tabellenführer und der Zweite nach dem 30. Spieltag, wehrte der Spitzenreiter immer den Angriff des Verfolgers ab. Wie 1972. Damals machte Bayern München im neuen Olympiastadion am 34. Spieltag durch ein 5:1 gegen den Titel-Rivalen FC Schalke 04 die Meisterschaft perfekt. Es war das einzige, wirkliche „Endspiel“ Erster gegen Zweiter in fast 60 Jahren Bundesliga.

Der VfB Stuttgart ging 1984 als Tabellenführer ins Saisonfinale. Der Spielplan brachte in der 34. Runde das Duell Erster gegen Zweiter, VfB gegen HSV. Den Schwaben reichte dank der besseren Tordifferenz eine 0:1-Niederlage gegen die Hamburger zum ersten Meistertitel in der Bundesliga-Ära, ein Triumph für den mächtigen Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder („MV“).

2003/2004 machte Tabellenführer Werder Bremen ausgerechnet im Stadion des Verfolgers Bayern München die Meisterschaft klar – 3:1 am 32.Spieltag im Münchner Olympiastadion durch Tore von Ivan Klasnic, Johan „Le Chef“ Micoud und Ailton, ein Stück Liga-Geschichte!

Umgekehrt verpassten es die Bremer am 33. Spieltag der Saison 1985/86, im eigenen Weserstadion gegen den Zweiten aus München alles klar zu machen – ein Pfostenschuss per Elfmeter von Michael Kutzop (89.) trieb die Dramaturgie auf die Spitze, 0:0 statt 1:0. Die Entscheidung war damit vertagt, eine Woche später überrundeten die Bayern und Udo Lattek Bremen mit Otto Rehhagel dank des besseren Torverhältnisses – 6:0 gegen Gladbach, Werder verlor in Stuttgart mit 1:2. 



Die Spieler sind sehr groß. Und immer grätschen, grätschen, grätschen. Alle grätschen hier immer.

— Adhemar über seine Mitspieler in Deutschland