Die Spiele des Viertelfinales der Weltmeisterschaft 1962

Datum Heim Gast Ergebnis
So 10.06. 14:30 Chile - UdSSR 2:1 (2:1) Info
Estadio Carlos Dittborn (Arica)
17.300 Zuschauer
Schiri: Leo Horn (Niederlande)
Sanchez (11.) 1:0
1:1
Rojas (29.) 2:1

Tschislenko (26.)

So 10.06. 14:30 Jugoslawien - Deutschland 1:0 (0:0) Info
Estadio Nacional de Chile (Santiago de Chile)
63.300 Zuschauer
Schiri: Arturo Yamasaki (Peru)
Radakovic (85.) 1:0

So 10.06. 14:30 Brasilien - England 3:1 (1:1) Info
Estadio Sausalito (Viña del Mar)
17.700 Zuschauer
Schiri: Pierre Schwinte (Frankreich)
Garrincha (31.) 1:0
1:1
Vava (53.) 2:1
Garrincha (59.) 3:1

Hitchens (38.)


So 10.06. 14:30 Tschechoslowakei - Ungarn 1:0 (1:0) Info
Estadio Braden (Rancagua)
11.700 Zuschauer
Schiri: Nikolai Latychev (Sowjetunion)
Scherer (13.) 1:0

Die Spiele des Halbfinales der Weltmeisterschaft 1962

Datum Heim Gast Ergebnis
Mi 13.06. 14:30 Brasilien - Chile 4:2 (2:1) Info
Estadio Nacional de Chile (Santiago de Chile)
76.500 Zuschauer
Schiri: Arturo Yamasaki (Peru)
Garrincha (9.) 1:0
Garrincha (32.) 2:0
2:1
Vava (47.) 3:1
3:2
Vava (78.) 4:2


Toro (42.)

Sanchez (61.)

Mi 13.06. 14:30 Tschechoslowakei - Jugoslawien 3:1 (0:0) Info
Estadio Sausalito (Viña del Mar)
5.900 Zuschauer
Schiri: Gottfried Dienst (Schweiz)
Kadraba (48.) 1:0
1:1
Scherer (80.) 2:1
Scherer (84.) 3:1

Jerkovic (69.)


Das Spiel um den 3. Platz der Weltmeisterschaft 1962

Datum Heim Gast Ergebnis
Sa 16.06. 14:30 Chile - Jugoslawien 1:0 (0:0) Info
Estadio Nacional de Chile (Santiago de Chile)
69.000 Zuschauer
Schiri: Juan Gardeazabel (Spanien)
Rojas (90.) 1:0

Das Finale der Weltmeisterschaft 1962

Brasilien erneut Weltmeister

Europas "Fußballer des Jahres" 1962 war einer der Stars in Chile: Josef MasopustEuropas "Fußballer des Jahres" 1962 war einer der Stars in Chile: Josef Masopust

Es war klar, dass nach zwei Weltmeisterschaften in Europa der amerikanische Kontinent an der Reihe war. Chile und Argentinien bewarben sich, wobei die Abstimmung auf dem FIFA-Kongress in Lissabon 32:10 bei 14 Enthaltungen zu Gunsten von Chile endete. Lang und schmal, zwischen Pazifik und Kordilleren bzw. Anden an der Westküste Südamerikas als geographisch äußerst abwechslungsreiches, aber auch gefährliches Land gelegen, musste Chile am 21. Mai 1960 ein schweres Erdbeben verkraften. Doch statt vor den riesigen Trümmerbergen im ganzen Land zu resignieren, fand ein bewundernswerter Wieder- und Neuaufbau statt, der zumindest bei den Stadien pünktlich zum WM-Start abgeschlossen werden konnte. 56 Verbände hatten sich angemeldet. Von den wichtigsten fehlte nur Österreich.

Die Qualifikation
In Europa gab es zehn Qualifikationsgruppen. Dabei schieden überraschend Vize-Weltmeister Schweden gegen die Schweiz und Frankreich als WM-Dritter gegen Bulgarien aus. Deutschland traf auf Nordirland und Griechenland und startete in Belfast mit einem 4:3-Erfolg, dem ersten Länderspielsieg Deutschlands auf den Britischen Inseln. Da auch in Griechenland 3:0 gesiegt wurde und die abschließenden Heimspiele gegen beide Teams mit 2:1 endeten, waren die Deutschen qualifiziert. In den restlichen sechs Europa-Gruppen setzten sich ebenfalls die Favoriten Ungarn, UdSSR, England, Italien, Tschechoslowakei, Spanien und Jugoslawien durch. In Südamerika behaupteten sich erwartungsgemäß Argentinien, Uruguay und Kolumbien. Dazu kamen noch Mexiko als Vertreter Nord- und Mittelamerikas und Brasilien als Weltmeister, sowie Chile als Veranstalter. Die Qualifikanten Asiens (Südkorea) und Afrikas (Marokko und Israel) mussten sich nach der jeweiligen Kontinentalentscheidung noch europäischen Teams stellen. Hier blieben diese Mannschaften ohne Erfolg.

Die Vorrunde
In der Gruppe 1 war Ex-Weltmeister Uruguay zumindest als Mitfavorit eingeordnet worden, doch es kam anders. Zwar siegten die Urus im ersten Spiel noch gegen den Außenseiter Kolumbien 2:1, doch gegen Jugoslawien (1:3) und gegen die UdSSR (1:2) zogen die Südamerikaner den kürzeren. Die Jugoslawen scheiterten in ihrem ersten Spiel gegen die Sowjetrussen 0:2, doch gegen die Urus und gegen Kolumbien (5:0) fuhren die Filigrantechniker vom Balkan, bei denen mit Soskic, Jusufi, Skoblar und Sekularac später sehr bekannte Bundesligaspieler im Team standen, überzeugende Siege ein und qualifizierten sich als Gruppenzweiter fürs Viertelfinale. Gruppensieger wurde die UdSSR, die sich nur gegen den Tabellenletzten Kolumbien (4:4) einen kleinen Ausrutscher erlaubte.

Deutschland musste sich in der Gruppe 2 mit Italien, Chile und der Schweiz messen. Gegen Italien erreichten die Deutschen in einem von beiden Seiten über die Maßen defensiv ausgerichteten Spiel ein 0:0. ‚Rasenschach’ schrieben die Kommentatoren nach der Partie, in der bei den Deutschen die Abwehrspieler Schnellinger, Erhardt (in seiner dritten WM) und Willi Schulz herausragten. Zuvor hatte Veranstalter Chile nach nervösem Beginn und Rückstand durch den späteren Nürnberger Bundesligaspieler Rolf Wüthrich die Schweiz noch mit 3:1 besiegt. Am 2. Juni folgte in Santiago die als ‚Skandalspiel’ in die WM-Analen eingegangene Begegnung zwischen Chile und Italien. Dank einer katastrophalen Schiedsrichterleistung kamen die fast brutal zu Werke gehenden Gastgeber zu einem unverdienten 2:0-Sieg, wobei der Engländer Aston einseitig die Italiener benachteiligte, bei den Chilenen aber beide Augen mehrfach zudrückte. Als Höhepunkt der Dreistigkeit schickte der Schiri die beiden Italiener Ferrini und David vom Platz. Zu neunt hatten die Gäste keine Chance. Uwe Seeler (45.) und Albert Brülls (60.) waren die deutschen Torschützen beim mühsamen 2:1 gegen die unbequemen Schweizer. Erst beim 2:0 gegen Chile sahen die Zuschauer ein stark aufspielendes deutsches Team, das den gleichwertigen Gegner eigentlich nur in seiner Stärke im Abschluss überragte. Horst Szymaniak (23. per Elfmeter) und wieder Uwe Seeler (82.) trafen für das Herberger-Team. Diese beiden Mannschaften waren somit im Viertelfinale, während der 3:0-Erfolg über die Schweizer den Italienern nichts mehr nützte.

Der amtierende Weltmeister Brasilien konnte spielerisch in der Vorrunden-Gruppe 3 nicht überzeugen. Zwar wurde das Team Gruppensieger, doch das 2:0 gegen Mexiko, das 0:0 gegen die Tschechoslowaken und das 2:1 gegen die Spanier waren meilenweit von den 58er-Leistungen entfernt. Zudem verletzte sich Pelé nach zwei Spielen so schwer (Muskelriss), dass er durch den jungen Amarildo für den Rest des Turniers ersetzt werden musste. Amarildo machte seine Sache jedoch überraschend gut und entwickelte sich zu einem der besten Spieler der WM. Unerwartet wurden die Tschechoslowaken hinter Brasilien Zweiter, obwohl die Spanier (mit Puskas, Gento und Suarez) höher eingeschätzt worden waren. Wie im ganzen Turnier, so dominierte auch bei der CSSR die Defensivabteilung, die mit Pluskal, Popluhar und vor allem Masopust eine überragende Läuferreihe aufstellen konnte.

In der Gruppe 4 überzeugte besonders die junge ungarische Mannschaft, die vor allem gegen England (2:1) und Bulgarien (6:1) brillierte. Die Stars bei den technisch überzeugenden Magyaren waren Torwart Grosics (letzter Spieler aus dem 54er Team) und der großartige junge Mittelstürmer Florian Albert. Als Albert gegen Argentinien fehlte, reichte es prompt nur zu einem 0:0. Derweil sicherte sich England mit Ach und Krach den zweiten Platz, wobei das Torverhältnis gegenüber Argentinien entschied. Beim 3:1-Erfolg gegen die Gauchos zeigten die Engländer, bei den Jimmy Greaves und Bobby Charlton dominierten, ihre beste Leistung.

Das Viertelfinale
Auch wenn der damals weltbeste Torhüter, Lew Jaschin aus der UdSSR, eine großartige Leistung zeigte, war Chile 2:1-Sieger in der Viertelfinal-Begegnung in Arica. Bereits nach 27 Minuten stand das Ergebnis dieser Partie vor gut 17.000 Besuchern fest.

Derweil traf das Team um Kapitän Hans Schäfer, dem letzten verbliebenen Spieler aus der Weltmeisterelf von 1954, auf Jugoslawien, das schon bei den beiden vorhergegangenen WMs Viertelfinalgegner Deutschlands war und jeweils mit 2:0 besiegt werden konnte. Wie in den Vorrundenspielen hatte Nationaltrainer Sepp Herberger eine defensive Marschrichtung vorgegeben, aus der heraus über Uwe Seeler die Konter gefahren werden sollten. Doch außer in der 2. Spielminute, in der ‚Uns Uwe’ den Pfosten traf, verzeichnete das Deutsche Team keine nennenswerte Torchance. Die Jugoslawen beherrschten dank ihrer überragenden Technik das Spiel, kamen aber erst drei Minuten vor dem Abpfiff bzw. der drohenden Verlängerung zum verdienten Siegtreffer durch Radakovic, der eine Linksflanke von Galic, der wiederum Willi Schulz verladen hatte, einschoss. Herbergers Mannschaft, im personellen Umbruch befindlich, war zur großen Enttäuschung der Fans ausgeschieden. Im Nachhinein wurde das destruktive Spielsystem Herbergers kritisiert und als Ursache der Niederlage gewertet.

In Vina del Mar trafen Brasilien und England aufeinander. Ein überragender Rechtsaußen Garrincha war der Matchwinner in einer Begegnung, in der die Brasilianer erstmals voll überzeugen konnten. Garrinchas zwei Tore und ein Treffer von Vava bei einem Gegentor zum 1:1 von Hitchens, dem Mittelstürmer von Inter Mailand, bedeuteten das 3:1 und den Einzug des Favoriten ins Halbfinale.

Eigentlich waren die Ungarn gegen die Tschechoslowakei aufgrund ihrer in der Vorrunde gezeigten Leistungen höher als die Ostblock-Partner eingeschätzt worden. Doch es sollte anders kommen. Ein Kontertor durch Scherer, erzielt während einer Drangphase der Ungarn, entschied die Begegnung. Die Tschechoslowaken hatten mit ihrer Betonabwehr Erfolg, denn die Ungarn fanden kein Durchkommen. Eine schwache Schiedsrichterleistung und der herausragende Torhüter Schroif waren weitere Gründe für das Ausscheiden der Magyaren.

Das Halbfinale
Am 13. Juni trafen in Santiago Chile und Brasilien aufeinander. Auch in dieser Partie zeigten die Ballzauberer vom Zuckerhut ihr ganzes Können. Zweimal Vava und Garrincha machten alle Endspielträume Chiles zunichte, die ihrerseits durch Leonel Sanchez und Toro zu den Gegentreffern zum 2:4-Endstand kamen.

In den letzten zehn Minuten war die Luft bei den Jugoslawen gegen die Tschechoslowakei raus. Bis zu diesem Zeitpunkt stand es 1:1, wobei die Kicker vom Balkan das aktivere Team stellten, während sich die Tschechoslowaken auf ihre Konter verließen. Und die kamen dann auch in der Schlussphase, so dass der 3:1-Endstand nicht mehr überraschend war. Auch in diesem Spiel ragte der tschechische Keeper Schroif heraus.

Das Finale
Im Spiel um den dritten Platz gewannen die Gastgeber durch ein Tor von Rojas gegen die Jugoslawen mit 1:0.

Gut 60.000 Zuschauer wollten das Endspiel zwischen Brasilien und dem Überraschungsfinalisten Tschechoslowakei in Santiago sehen. Die Brasilianer hatten gegen die kompakte CSSR-Abwehr wie beim 0:0-Vorrundenspiel zu Beginn kein Rezept. Im Gegenteil. Die Prager Defensivkünstler konterten die südamerikanische Abwehr über die rechte Seite in der 15. Minute aus und gingen durch Masopust in Führung. Durch den Pelé-Ersatz Amarildo schlug der Favorit schon drei Minuten später zurück und kam zum Ausgleich. Erst durch zwei eklatante Fehler des bis dahin überragenden Schroif im Tor der Tschechoslowaken kam Brasilien in der 68. und 77. Minute zu den entscheidenden Treffern zum 3:1-Sieg in einer über weite Strecken eher mittelprächtigen Partie. In der unbeschwerten Schlussphase des Finales zeigten die Brasilianer dann ihre Fußballkunst und gewannen den Titel zwar nicht so furios, wie vier Jahre zuvor, aber dennoch verdient.

Qualitativer Rückschritt
Die Weltmeisterschaft in Chile war geprägt von defensiv eingestellten Teams und bedeutete gegenüber 1958 einen Rückschritt in der spielerischen Qualität. Zudem machten die Schiedsrichter in einigen Spielen nicht nur haarsträubende Fehler, sondern zeigten teilweise eine unglaubliche Parteilichkeit. Die Spielerpersönlichkeiten dieser WM waren eher in der Abwehr- als im Offensivbereich zu entdecken. Ausnahmen wie Garrincha, Amarildo und Albert bestätigten nur diese Regel, denn Pelé war verletzt und Portugal mit Eusebio erst gar nicht qualifiziert.

Das Finale der Weltmeisterschaft 1962

Datum Heim Gast Ergebnis
So 17.06. 14:30 Brasilien - Tschechoslowakei 3:1 (1:1) Info
Estadio Nacional de Chile (Santiago de Chile)
69.000 Zuschauer
Schiri: Nikolai Latychev (Sowjetunion)
0:1
Amarildo (17.) 1:1
Zito (69.) 2:1
Vava (78.) 3:1
Masopust (15.)